BUENOS AIRES - DIE WILDE UND BUNTE

Vor über 100 Jahren war Buenos Aires die größte Stadt Lateinamerikas und reicher als die größten Cities in die USA. Tonnenweise wurde der beste Marmor aus Italien über den Atlantik, in die Metropole am Rio de la Plata verschifft. 1913 folgte die erste U-Bahn Lateinamerikas. Es sollte für über 50 Jahre die einzige bleiben. Rinderzucht und -export machten die Stadt sehr wohlhabend. Danach folgten diverse wirtschaftliche Einbrüche und eine 7 jährige Militärdiktatur bis 1983. Vor 15 Jahren war Buenos Aires das Epizentrum, einer der größten Staatspleiten unserer Zeit. An ihrer Lebensfreude, ihrem Stolz und Ihrem Optimismus haben die Porteños - so werden die Hafenstadtbewohner genannt -  jedoch kaum etwas verloren. 

 

Buenos Aires ist Welthauptstadt des Fußballs, verfügt über die größte Dichte an Psychoanalytikern, Kinos und Theatern sowie die breiteste Straße der Welt, es ist die Stadt von Papst Franziskus dem Pontifex Maximus, des besten und streitbarsten Fußballspielers aller Zeiten, des schwungvollsten Tangos, des saftvollsten Rindfleischs, des wuchtigsten Weines und des besten Gelatos. Als reich an Sehenswürdigkeiten gilt Argentiniens Hauptstadt jedoch nicht. Der Lack ist etwas verblasst, die Schönheit der Architektur bröckelt. Die Großteils völlig unterschiedlichen Stadtviertel, mit Ihren wunderbaren Porteños, machen die Primastadt hingegen besonders. Ihre Besucher sollten ausgeschlafen ankommen, in der Stadt die niemals schläft.

Die angesagtesten Stadtviertel

Centro

Das Zentrum von Buenos Aires erstreckt sich über die Stadtteile Retiro, san Nicolás und Montserrat. Der Plaza de Mayo, auf dem die Unabhängigkeit von Spanien verkündet wurde, bildet das historische Herz der Stadt. Aus dieser Zeit um 1810 stammt die Pirámide de Mayo in der Mitte des Platzes. Am Kopf der Fläche werden die wichtigen Entscheidungen im rosafarbenen Präsidentenpalst Casa Rosada gefällt.

 

Am gegenüberliegenden Ende, beginnt die Straße Florida. Hier blüht der illegale Schwarzmarkt um Dollars oder Euros in argentinische Pesos zu wechseln. Das Wort "cambio" wird den Passanten entgegengerufen. Wer den Mut aufbringt, mit diesen nicht unbedingt vertrauenswürdig wirkenden Menschen ins Geschäft zu kommen, und Ihnen einige hundert Meter, in ein dunkles Hinterzimmer einer Querstraße zu folgen, kann für einen größeren Betrag, einen durchaus besseren Wechselkurs erwirtschaften. Ein Abenteuer ist es allemal. Im besten Falle steht man am Ende sogar ohne Blüten in der Hand, am nächsten Empanada Stand.

Über die Avenida Corrientes, wo sich die Theater wie an einen Perlenschnur aufreihen, gelangt man zum Obelisken. Dem Wahrzeichen der Stadt. Die Avenida 9 de Julio, samt ihrer beiden Nebenstraßen, soll mit ihren 20 Spuren die breiteste Straße der Welt sein. An diesem Straßenmonster liegt auch das Teatro Colón. Ein Besuch mit Führung, in einem der der besten Konzerthäuser der Welt, ist beeindruckend.

 

San Telmo

Der Stadtteil San Telmo, mit seinen multikulturellen Einwohnern, wirkt wie ein Mix aus Paris und Havanna. Die mächtigen Altbauten aus der ersten Hälfte des vergangenen Jahrhunderts, haben inzwischen deutlich an Ihrem Glanz vergangener Tage eingebüßt. Zusammen mit den Kopfsteinpflastern, den kleinen Gassen und beengten Plätzen, sind sie ein Nährboden für die alternative Szene. Studenten und Künstler haben hier Ihre In-Cafés und Bars. Tangomusik schwappt auf die Straßen. Sonntags lockt ein großer Flohmarkt viele Besucher in die Avenidas um den Plaza Dorrego.  

 

Palermo

Wer nicht in Palermo wohnt, sollte die U-Bahn zur Station "Plaza Italia" nehmen und zunächst den Botanischen Garten durchkreuzen. Begrünte Straßen mit niedrigen, liebevoll gestrichenen Häusern bitten anschließend zum Bummel in Palermo. "Hip" beschreibt diese Neighborhood mit ihren tollen Handwerksbetrieben, Designerläden, Cafés, Lokalen und Clubs wohl am treffendsten. Hier verkehrt das aufstrebende Bürgertum, die Kreativen. Die angesagtesten Ecken im angesagtesten Stadtviertel erstrecken sich vermutlich in Palermo-Soho. Vorzugsweise zwischen den Straßen Santa Fé, Coronel Diaz, Córdoba und Juan B. Justo. Der Handwerksmarkt am Plaza Córtazar lohnt sich für einen Streifzug, um in der Folge einen Kaffee oder eine leckere Limonade zu genießen. Palermo-Hollywood lockt nach Sonnenuntergang, um mit viel Fernet-Cola, die Nacht zum Tag zu machen.

Recoleta

Das Viertel der finanzstarken Oberschicht mit seinen herrschaftlichen Gebäuden grenzt südwestlich an Palermo. Die Krise hat einen Bogen um dieses Barrio gemacht. Die Boutiquen und Cafés sind entsprechend kostspielig. Hier zeigt man stolz seine erlesene Garderobe, fährt europäische Luxuskarossen und besitzt mindestens einen Hund. Eine Hand voll Vierbeiner der Reichen Gassi zu führen, ist hier, ein nicht selten zu beobachtendes Berufsbild. Eine Sehenswürdigkeit ist der Cementario de Recoleta. Bei einem andächtigen Spaziergang über den pompösen Gottesacker, kann unter anderem die letzte Ruhestädte Eva Peron's aufgesucht werden. Mit monumentalen Grabfiguren versucht man sich hier bis ins Grab zu übertrumpfen.   

 

La Boca

Es heißt: "In La Boca wurde der Tango erfunden". Das alte Hafenviertel wurde in erster Linie durch ärmere Siedler aus dem italienischen Genua gegründet. Der ehemalige Schandfleck, die Straße Caminito, überstrahlt heute mit seinen bunt bemalten, aus dem Wellblech schrottreifer Schiffe erbauten Häusern, seine Armut. Die bunte Straße ist längst ein Touristenmagnet geworden. Akkordeonspieler begleiten den Tango vor den Restaurants. Souvenirläden verkaufen unter anderem die Abbilder der großen Tanz-Stars. Wer sich abseits der Touristenpfade traut, findet das lebendige Viertel der Gegensätze. In der Dunkelheit ist dies jedoch nicht empfehlenswert. Die Gegend ist mit Vorsicht zu genießen. Die Kinder bolzen auf den Straßen und Betonflächen und malen sich aus, in die Fußstapfen ihrer großen Idole zu treten. Allen voran in die, ihres Berühmtesten - Diego Maradonna. Unweit des Caminito streckt sich die Pralinenschachtel senkrecht in den Himmel, "La Bombonera" so wird das Stadion der Boca Juniors genannt. Den Hype, den hier ein Fußballverein auslöst ist schwer mit Worten zu beschreiben. Die Vereinsfarben Blau und Gelb sind omnipräsent. Mit der Buslinie 152, guten Nerven und einem Maß an Geduld erreicht man La Boca von Olivos im Zentrum.

Das Hafenviertel Puerto Madero

Ende es 18ten Jahrhunderts fertiggestellt, war der Hafen bereits 13 Jahre später, schon wieder zu klein für die rasant wachsende Stadt früherer Tage. 70 Jahre als Moloch der Stadt abgestempelt, wurde der Bereich um die 4 Hafenbecken und um die Speicherstadt in den 90ern aufwendig saniert. Das Ergebnis kann sich sehen lassen. Die hohe Kunst der Gastronomie hat Einzug erhalten und entsprechend gestalten sich die Preise. Die Stararchitekten duellieren sich im Puerto Madero des 21ten Jahrhunderts mit immer ausgefalleneren und glänzenderen Wolkenkratzern. Wer Zeit hat,  wird ein Spaziergang um die Hafenbecken nicht bereuen.

Ankommen und Fortbewegung

Flughafentransfer in Buenos Aires

Die Busse von Tienda Leon sind an Ihrem Logo mit Ihrem orangefarbenen Löwenkopf leicht zu erkennen. Sie starten jede halbe Stunde direkt vor dem Flughafen Ezeiza ins Zentrum, zum Terminal Madero. Die Fahrt dauert je nach Verkehr ca. 40 Minuten und kostet 190 Pesos. Für einige Pesos mehr kann man sich anschließend auch noch per Sammeltaxi an seinen Zielort bringen lassen. Alternativ ist die zentrale Busstation Retiro oder die U-Bahn Station Retiro-Mitre einen Steinwurf entfernt. 

Fortbewegung in der Stadt

Für uns ist die Subte, so wird die U-Bahn hier genannt,  das Verkehrsmittel der Wahl. 6 überschaubare Linien durchziehen den Untergrund der Stadt. Zunächst wird jedoch eine aufladbare Geldkarte, die SUBE benötigt, die für wenige Pesos an einer Subte-Station zu erwerben und später immer wieder aufzuladen ist. Die U-Bahn ist zum Teil veraltet und zu Stoßzeiten rappelvoll, jedoch schnell und günstig. Mit etwas Glück findet eine spontane Aufführung eins Improtheaters im Waggon statt. Schreiende Händler verteilen ihre Produkte auf den sitzenden und müden Passagieren um ihren Artikeln noch mehr Aufmerksamkeit zu schenken. Die meisten Artikel werden sie jedoch, kurz darauf, ohne Geschäftsabschluss wieder einsammeln.

 

Noch billiger als die Subte sind die 18.000 Linienbusse, die in Buenos Aires verkehren. Das Liniennetz dieser Collectivos, mit den zum Großteil nicht ausgeschilderten Haltestellen und dem nicht vorhandenen Fahrplan, blieb uns jedoch fast vollständig undurchsichtig. Die Busse werden wie von Henkern gesteuert und wenn alles gut läuft, vergeht eine Fahrt ohne einen Fußgänger zu überrollen.

 

Die tausenden, schwarzgelb gestreiften Taxis sind ebenfalls eine gute Option und mit Ihren leuchtenden "libre" Schildern hinter den Windschutzscheiben ständig auf Suche nach Fahrgästen.  Die Taxifahrer in Buenos Aires sind  wahre Entertainer und haben u.a. mit Politik und Fußball zwei Themen zu beackern, mit denen Taxifahrten zum Erlebnis werden können.   

 

Schließlich kann man auch den einen oder anderen Kilometer zu Fuß abspulen. Sicher genug ist Buenos Aires dafür allemal.

 

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