JORDANIEN - EIN ROADTRIP

Sonnenuntergangsstimmung im Wadi Rum
Sonnenuntergangsstimmung im Wadi Rum

Eingebettet in einer schwierigen Nachbarschaft zwischen Saudi Arabien, Irsael, Palästina, Syrien und dem Irak, liegt das weitgehend friedvolle Königreich Jordanien. Die Wirtschaft Jordaniens knirscht bedenklich aufgrund von Angst und Schrecken in den Anrainerstaaten. Das schlägt sich auch auf die Touristenzahlen nieder, die seit Beginn des IS-Terros im nahen Osten im Jahr 2011 um rund 75% eingebrochen sind. Jedoch sind die Grenzen zu den Spannungsgebieten im Norden geschlossen und das Auswärtige Amt warnt lediglich vor Reisen in die Grenzgebiete, rät davon aber nicht ab. Wagt man die Schweiz des nahen Ostens zu besuchen, lassen sich sich dramatisch schöne Wüstenabschnittte, urgewaltige Felsformationen, Jahrtausende alte, einmalige Baudenkmäler, Burgen der Kreuzritter, biblische Orte, Wüstenschlösser, der tiefste Punkt der Erde am toten Meer sowie Petra, eines der sieben mordernen Weltwunder, entdecken.

#01 Welcome to Jordan

"Welcome to Jordan":  Diese Begrüßung haben wir auf unserer einwöchigen Mietwagenrundreise durch das bezaubernde Jordanien oft vernommen. Auf den Straßen der Städte, in ländlichen Gebieten, ob von Klein oder Groß und selbst an den zahlreichen Polizei Check Points wurden wir stets im kleinen Königreich Willkommen geheißen.  Und in der Tat haben uns die Jordanier überrascht und begeistert mit Ihrer ehrlichen Gastfreundschaft und Ihrem besonnenem Abstand gegenüber ihren Besuchern. Hier respekiert man die Touristen in einer ungewöhnlichen Art. Gefälligkeiten bekommt man von Herzen und ohne Hintergedanken.

#02 Wadi Rum - Auf den Spuren des Lawrence von Arabien

Der Begriff Wadi steht für einen augestrockneten Flusslauf. Geologische Verwerfungen ließen vor ca. 30 Millionen Jahren einen Riss entstehen, aus dem u.a. das Wadi Rum aber auch der Jordangraben hervorging. Heute kann man in dieser Wüste Granitsockel unter verwofenen Sandsteinformationen bestaunen.

Absolut empfehlenswert ist eine Übernachtung in einem der zahlreichen Beduinencamps. In diesen Camps, die zu touristischen Zwecken in der Wüste verteilt sind und deren sanitäre Einrichtungen mitunter keine Wüsche offen lassen, schläft man in Zelten, sitzt  Abends am Lagerfeuer und schlemmt traditionell zubereitetes Essen. Nach einem spektakulärem Sonnenuntergang, unter einem gewaltigen Sternenhimmel in den Schlaf zu fallen, fasziniert jeden Besucher im Wadi Rum. Hinzu kommen zahlreiche Möglichkeiten sich tagsüber zu betätigen: Jeeptouren, Wanderungen, Kameltouren, eine Ballonfahrt, Sandboarden sowie Bergsteigen und Klettern werden angeboten. Zwischen den Aktivitäten genießt man bei einem gesüßten Schwarztee mit Minze die Stille der Wüste im Camp.

#03 Petra - Ein Weltwunder

Jeder Besuch der Nabatäerstadt Petra erfolgt über den Ort Wadi Musa. Hier besteht die tourische Infrasturktur um die Besuchermassen, die täglich zur Felsstadt strömen, zu beherbergen und zu versorgen. Mit festem Schuhwerk, einem Lunchpaket und genügend Wasser sowie Sonnenschutz ist man für einen Tag in der antiken Stätte bestens gerüstet.

Das Erlebnis Petra beginnt mit einem 30 minütigem Walk durch den großen Siq. Frühaufsteher werden auf diesem Abschnitt mit der fehlenden Geräuschkulisse - der sonst üblichen, hunderten Tagesbesuchern und Pferdewagen - belohnt. Diese "Stille" und das Bewusst-werden, dass man sich zwischen kolossalen, rötlich schimmernden Felswänden bewegt, die beidseitig gen Himmel ragen und man in kürze direkt auf das weltbekannte Schatzhaus zusteuert, gehört wohl zu dem beeindruckenstem und nachhaltigstem Erlebnis eines Besuchs von Petra.

Ist man fit, lassen sich zumindest die interessantesten Orte des Areals in einer anstrengenden Tageswanderung erreichen. Am besten erklimmt man nach dem Schatzhaus direkt den hohen Opferplatz von welchem man einen tollen Überblick auf die Anlage erhält. Beim Abstieg streift man unter anderem den Gartentempel, bevor man am frühen Nachmittag auf der anderen Seite zum Kloster Al-Deir aufsteigt. Der knapp einstündige, recht steile Weg wird belohnt, denn in den frühen Nachmittagsstunden beleuchtet die tiefer stehende Sonne das Kloster rötlich. Dabei genießt man womöglich einen frisch gepressten Saft. Am Nachmittag ist dann noch Zeit um das Stadtzentrum zu erkunden und sich die Königswand genauer anzusehen.

 

Die Höhlenmänner von Petra

Es sind Gestalten denen eine gewisse Ähnlichkeit mit Käpt'n Jack Sparrow nicht abzusprechen ist, die den vorwiegend asiatischen Besuchern die Wegstrecken auf einem Esel-, Maultier- oder Kamelrücken erleichtern. Erleichtert wird dabei auch deren Geldbörse, denn für einen Ritt zwischen den Höhlen sind schnell 20 - 30 JD fällig. Störend dabei ist weniger das abenteuerliche Hinaufsteigen der bepackten Tiere, auf kleinen Pfaden oder Treppen, sondern vielmehr das mitunter rücksichtlose Verhalten ihrer Pferdeführer. Auch könnte man bei deren, nicht schlechtem, Umsatz erwarten den Dung der Lastenträger auf den Gehwegen hin und wieder zu entfernen. 

#04 Der Weg in den Norden - Auf der Kingsroad nach Amman

Eine ermüdende aber bezaubernde Tagesetappe im Mietwagen bietet die Strecke von Wadi Musa nach Amman. Auf der Kingsroad wandelt man entlang der Spuren unzähliger, arabischer und osmanischer Heerscharen, Kreuzfahrer oder Karawanen von Alexander des Großen. Die Straße verband einst den Golf von Aqaba mit dem syrischen Palmyra. Eine durchgehende Busverbindung auf der Kingsroad gibt es nicht. Die Vorteile die Straße im eigenen Wagen zu befahren, sind die sich bietenden Fotostops und die intensive Wahrnehmung, wie sich manche Straße förmlich in die Tiefe zu stürzen scheint. Mögliche Abstecher auf der Kingsroad sind Shaubak, Kerak, Umm er Rasas, Madaba, Mount Nebo und Hisban. Wir haben uns aufgrund der begrenzten Zeit lediglich für einen Besuch der Kreuzritterburg Kerak entschieden. Die Festung ist nett, gehört aber nicht zwingend zu den Highlights einer Jordanien Reise.

#05 Amman - Die Hauptstadt, einer der ältesten Siedlungsplätze der Welt

Amman Downtown
Amman Downtown

Straßenverkehr in Amman

 

Was haben wir nicht alles im Vorfeld über die chaotischen Verkehrsbedingungen in Amman gelesen: "Seinen Wagen durch Rom oder Kairo zu steuern, wäre ein Vergnügen gegenüber dem rücksichtslosen Verkehrsverhalten in Amman."

 

DAS KANN ICH SO NICHT BESTÄTIGEN - Klar ist das Gedränge vor einer roten Ampel und das ständige gehupe nicht mit dem hiesigen Verkehrsverhalten zu vergleichen. Aber ich empfand den Straßenverkehr in Amman insgesamt als angenehm.

In Downtown sind die rund 4 Millionen Einwohner Ammans nicht wirklich zu spüren. Hier verbergen sich in unmittelbarer Umgebung die touristischen Highlights der Stadt. Zu den Top Sehenswürdigkeiten zählt die Zitadelle über der Stadt, das ehemalig römische Stadtzentrum mit dem römischen Theater, die Hussein Moschee und die King Abdullah Moschee. Mein Highlight war jedoch die sich bietende Atmosphäre aufzusaugen, durch die verschiedenen nahgelegenen Märkte zu schlendern und zwischen Gewürzhändlern und Tuchläden zu streifen.

Käuflich erwerben lässt sich in den Straßen Downtowns praktisch alles: Von Weintrauben über Passionsfrüchte, alte oder neue Schuhe, Bekleidung jeglicher Art, Seidenschals bis hin zu Schrauben und Handwerkszeug. Direkt an der Straße drehen sich Grillhähnchen über dem Feuer. Das Grölen der Marktschreier wird eins mit den Rufen des Muezzins, die aus den Lautsprechern hallen und es entsteht ein Gemisch aus Stimmen und Gesängen. In der Luft liegt der Geruch von frisch gemahlenen Gewürzen, Autoabgasen und verdampfendem Speisefett.

#06 Über den hohen Norden zum Toten Meer

Ziel war es, am frühen Morgen in Amman zu starten und vor Sonnenuntergang das reservierte Mujib Chalet am Toten Meer zu erreichen, auf das wir uns sehnlichst freuten. Zum Glück waren wir spontan genug um Tipps anderer Reisenden umzusetzen und unsere zunächst geplante Tagesetappe leicht abzuändern. Es sollte sich lohnen. Die finale Tagesroute führte uns fürs Erste nach Jerash, dem antiken Gerasa. Diese ehemals römische Stadt ist so gut erhalten, dass selbst wenig Vorstellungskraft genügt um sich das tägliche Leben, welches sich hier vor rund 2000 Jahren abgespielt hat, bildlich vor Augen zu führen. Wagenrennen oder Gladiatorenkämpfe erscheinen mit etwas Fantasie lebendig.

Vorbei an zahlreichen Polizei Check Points und der Stadt Irbid erreichten wir Umm Qays im Norden Jordaniens. Einen Besuch der Ruinen der römischen Stätte Gadara haben wir uns aufgrund der Ähnlichkeit mit den Ruinen von Jerash erspart. Direkt von der römischen Stätte Gadara führt ein kurzer 5-10 minütiger, verwinkelter Fahrtweg mit zwei weiteren Check Points zu einem Aussichtspunkt, der es in sich hat.

Blick auf den See Genezareth
Blick auf den See Genezareth
Das Hochplateu der annektierten Golanhöhen
Das Hochplateu der annektierten Golanhöhen

Von diesem, für das Land bedeutenden Aussichtpunkt, an dem sich sogar ein Hubschrauber Landeplatz für die königliche Familie befindet, hat man einen Gänsehaut-Blick. In der nahen Front erkennt man den Fluss Yarmuk, der in einem kleinen Canyon eingebettet die Grenze zu Israel bildet. Zur Linken befindet sich der palästinensische Teil, des hier beginnenden Jordantals. Man beobachtet die palästinensischen Bauern bei Ihrer Feldarbeit. Schweift der Blick ein Stück weiter, liegt der See Genezareth vor Augen. Der fischreiche See bildet das größte Süßwasserreservoir Israels und das Gebiet herum war das Zentrum des Wirkens Jesu. Hinter dem See deuten sich die Gebirgsketten des Südlibanons an. Rechts daneben hat man einen wunderbaren Blick auf die Golanhöhen. International sind die Golanhöhen als Teil Syriens anerkannt, jedoch seit Ende der 70er Jahren unter israelischer Kontrolle.


Weiter führte die traumhafte Route durch das Jordantal bevor wir schließlich das Tote Meer pünktlich vor Sonnenuntergang erreichten. 

Die wohl beste Möglichkeit direkt am Toten Meer zu nächtigen, sind die fantastischen Mujib Chalets am tiefsten Punkt der Erde. Von hier hat man die Möglichkeit in einer Hängematte chillend, einen spektakulären Sonnenuntergang über dem Toten Meer zu erleben. Ein kleiner Pfad führt direkt zum steinigen Ufer, von wo aus man sich auf dem salzigen Wasser treiben lassen kann - ein einmaliges Erlebnis! Mit Hilfe der Duschen direkt am Ufer ist das Salz auf der Haut im Anschluss recht schnell wieder abzuwaschen. 

#07 Outdoor Aktiviäten rund ums Tote Meer

Siq Trail

In Fußnähe unmittelbar neben den Mujib Chalets beginnt das Mujib Bioshere Reserve mit zahlreichen Tekkingmöglichkeiten. Unter anderem der Siq Trail, welcher puren Spaß bereitet. Hier läuft man mit einer Schwimmweste ausgerüstet, einem immer wilder werdenden Flusslauf entgegen. Dabei steigt der Wasserstand des Flusses in dem man sich bewegt, von Köchelhoch über Beckenhoch bis letztlich zu den Schultern und darüber. Auf dem Weg gilt es, sich der Strömung entgegen, mit Hilfe fest installierten Seilen, kleinere Felsvorsprünge hinaufzuwinden um schließlich einen Wasserfall zu erreichen. Von hier geht es wieder zurück. Auf dem Rückweg kann man die Felsvorsprünge bequem herunterrutschen und sich anschließend im Wasser treiben lassen. Das alles in schönster Kulisse in einem Siq, in dem links und rechts  Felsformationen senkrecht gen Himmel aufsteigen. Der Siq Trail schafft eine riesige Erlebnisbadatmosphäre mitten in der Natur. Festes Schuhwerk ist dabei bitter notwendig. 

 

Dana Nationalpark

Sonnenterasse des Dana Tower Hotel
Sonnenterasse des Dana Tower Hotel

Vom Toten Meer gelangt man über eine gigantische Passstraße in die Zone des Dana Nationalparks. Das große Naturschutzgebiet  kommt mit seinen sehr unterschiedlichen Landschaften und reizvollen Wanderwegen durch unberührte Natur einem Paradies gleich. Will man den Ort Dana Village erreichen, gilt es sich eine dermaßen steile Schotterpiste herab zu winden, dass man bedenken haben muss, jemals wieder heraufkommen. Angekommen im Dana Tower Hotel begrüßte uns eine wuselige Ostasiatin und zeigte uns unser Zimmer, die Sunset-Suite über den Dächern des Ortes. Das Dana Tower Hotel kommt einem osmanischen Gesamtkunstwerk nahe, mit all seinen verschachtelten Nischen, Skulpturen und Pflanzen. Die Grenze zwischen Kunst und Kitsch ist hier fließend. Zuviel Luxus sollte man hier jedoch nicht erwarten. Luxuriös lecker und endlos vielfältig war jedoch das Dinnerbuffet, welches die Bediensteten über Stunden vorbereitet hatten.

 

Schon vom Ort aus hat man einen hervorragenden Blick in den riesigen Canyon und kann je nach Zeit, Lust und Verfassung unterschiedliche, auch mehrtägige, Trekkingtouren starten. 

#08 Aqaba - Die liberale Hafenstadt am Roten Meer

An unserem letzten Abend erreichten wir schließlich wieder unseren Startpunkt Aqaba und gaben unseren Peugot zurück. Das Gepäck konnten wir glücklicherweise bis kur vor Mitternacht in den Räumlichkeiten der Autovermietung deponieren um anschließend ohne Last auf dem Rücken zum Stadtstrand zu pilgern, wo die Einheimischen die letzen Sonnenstrahlen des Tages genossen. Die junge Generation plantschte im Meer, während die Älteren im Campingstuhl sitzend, den Grill befeuerten.

 

Zum Abendessen fanden wir uns bei Hashem Son's, einem Straßenrestaurant, ein. Das Essen war ein Traum - Falafel, Humus, Baba Ghanoush und Salat on it's best. Jeder der nach Aqaba kommt sollte bzw. muss diesen Laden getestet haben!  

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