DOLOMITENTRAUM ZWISCHEN SCHLERN UND ROSENGARTEN

Der Schlern, 2563 Meter, Hausberg von Bozen, Wahrzeichen Südtirols: Aus dem Norden betrachtet, eine wilde, schier nicht zu bändigende Anhäufung von Zacken. Aus dem Süden, ein saftig, grünes Hochplateau mit samtigen Alpwiesen. Aus Ost und West, ein ausgedehnter Tafelberg. Das Besondere hier ist der Dolomit. Ein Karbongestein mit hohem Magnesiumgehalt und heller Farbe.

 

Seinem Namen verdankt der 250 Millionen Jahre alte Gebirgszug dem französischen Geologen und Mineralogen Déodat de Dolomieu. 2009 wurden die Dolomiten zum Teil des UNESCO Weltnaturerbes. Traumhafte Ausblicke, reine Bergluft,  faszinierende Naturlandschaften und die unglaublich herrliche Stille erwarten die Besucher in einem  Paradies für Outdoor-Begeisterte.

Tag 1 - Aufstieg zum Schlernhaus

Am Fuße des Schlernmassivs und der Seiser Alm, der größten Hochalp Europas, liegt das Bergdorf Seis am Schlern. Seis liegt auf rund 1000 m ü. NN und war Ausgangspunkt unserer 5-tägigen Bergtour. Die erste anstrengende Tagesetappe katapultierte uns über den Oswald v. Wolkensteinweg zum Geologensteig und über den Proßlinger Steig sowie dem Touristensteig hinauf zum Schlernhaus. Für die 1457 Höhenmeter benötigten wir ohne längere Pausen rund 6 Stunden. Die Strecke war, auch aufgrund des leichten Regens und Nebels wenig spektakulär, aber vielmehr ein gutes Training an Mensch und Material für die kommenden Tage.

Das Schlernhaus (ital. Rifugio Bolzano) ist eine massive Schutzhütte am Schlern-Hochplateau und gleicht mit seinen 120 Schlafplätzen einem Schloss in den Wolken.

Tag 2 - Vom Monte Pez in den Rosengarten

Kräftige Winde hatten über Nacht die dichten Wolken vertrieben, was uns einen herrlichen Tag bescherte. Die erste Übung des Tages, war eine Leichte. Der 20-minütige Aufstieg zu unserem ersten Gipfel, dem Monte Pez auf 2536 m ü. NN. Vom höchsten Punkt des Schlernplateaus bietet sich ein herrlicher 360 Grad Blick zu den umliegenden Dolomiten wie den Latemar, Rosengarten, der Sellagruppe der Marmaloda sowie der Seiser Alm.

Entlang den Almweiden auf den weiten Hochflächen des Schlern und dessen sattgrünen Wiesen erreichten wir über den Dolomiten Höhenweg Via Alpina und den Weg Nummer 4 zunächst die moderne Schutzhütte Tierser Alpl, mit Ihrem nagellackrot, gedecktem Dach. Nach einer kurzen Stärkung wurde es mit dem Weg 554 zunehmend steiniger und alpiner. Über den spektakulären Molignonpass erklommen wir, nach einem kräftezehrenden Aufstieg, die in den Hang gehauene Grassleitnpass-Hütte auf 2599 m ü. NN. Von hier oben führt der Weg 584 hinunter zur Vajolet Hütte, wo wir unser Nachtlager bezogen. Vor dem Abendessen entschieden wir uns die letzten Körner zu lassen und ohne Gepäck zur Gartlhütte aufzusteigen. Der Teils versicherte Abschnitt war anstrengender als vermutet. Bei einer heißen Schokolade genießt man hier oben einen tollen Blick auf die Vajolettürme und vergisst die zurückliegenden Strapazen. Die Zinnen der Vajolettürme sind ein Eldorado für Kletterbegeisterte. 

Tag 3 - Überschreitung des Kesselkogels und Abstieg ins Val Duron

Aus eins mach zwei: Wir fühlten uns gut und so entschieden wir kurzerhand heute zwei Gipfel anzupeilen. Gipfel eins war der Cima Scalieret auf 2887 m ü. NN. Zunächst musste ein mächtiges Schrofengelände zum Pas dela Pope bezwungen werden. Der zweite Abschnitt zur Bergkuppe bestand aus leichter, teilweise gesicherter Kletterei. Der Ausblick vom Gipfelkreuz des Cima Scalieret war auch aufgrund des schönen Wetters, wahnsinnig beeindruckend. Besonders das Panorama auf die Sellagruppe ist von hier oben faszinierend. Nach einem kleinen Snack steuerten wir über einen einfachen Grat und den Pas de Antmoa in Richtung Grassleitnpass-Hütte, welche um die Mittagszeit richtig gut besucht war.

Dort legten wir unser Klettersteigset an und näherten uns den Wänden des Kesselkogels. Über den Westanstieg führt der gut gesicherte Steig rund 400 Höhenmeter auf den Kesselkogel hinauf. Wenige Minuten vor dem Gipfelkreuz gilt es ohne Sicherung am luftigen Gipfelgrat zu wandeln und dabei einige Blöcke zu umklettern. Dabei ist vor allem sicherer Stand und Schwindelfreiheit gefragt. Schilder die an abgestürzte Bergsteiger erinnern, erleichtern diese Aufgabe nicht zwangsläufig. Anschließend präsentieren sich die Brenta-, Adamello- und Ortlergruppe, die Stubaier, sowie die Zillertaler Alpen. In näherer Nachbarschaft ist die Rosengartenspitze und die Vajolettürme, die Geisler- und Puezgruppe, der Langkofel, die Sellagruppe und die Marmolada zu bewundern. Der Kesselkogel ist mit seinen 3002 Metern der höchste Gipfel des Rosengartens.

Der Abstieg erfolgte zum Teil über Leitern vorbei an der Antermoiahütte  die Wege 580 und 578 hinunter ins Durontal. Als Nachtlager entschieden wir uns für die auf 1860 m ü. NN gelegene Rifugio Micheluzzi. Im Val Duron breiten sich inmitten dieser zauberhaften Landschaft saftige Wiesen aus, auf denen wuschelige Schafe und Kälber weiden. Ein traumhaft schöner, aber auch sehr kräftezehrender Tag lag hinter uns.

Tag 4 - Aufstieg zum Plattkofel

Für den vierten Tag standen 1109 Höhenmeter auf dem Programm. Sie sollten uns hinauf zum Gipfel des Plattkofels führen. Wie der Name schon sagt ist der Plattkofel auf einer Seite platt, auf der anderen Seite stürzt es hingegen regelrecht senkrecht in die Tiefe. Die ersten 400 Höhenmeter führten rechter Hand eines Bachbetts den Weg 533 hinauf zur Plattkofelhütte. Dabei standen uns mehrere putzige Murmeltiere Spalier. Anschließend umrundeten wir mit dem Weg 527 in einem auf und ab durch abwechslungsreiche Landschaft  in etwa 2 Stunden den Plattkofel bis zur urigen Langkofelhütte (ital. Rifugio Vicenza). Das Highlight des Tages folgte wenig später. Über Geröll, durch steile Geländestufen und durch teils mit Drahtseilen gesicherte Abschnitte führte der Oscar Schuster Steig dramatisch hinauf zur Spitze des Plattkofels. Der Panoramablick vom Gipfelkreuz auf 2969 m ü. NN ist einfach umwerfend. In der Folge ging es durch die riesige Südwestflanke über Geröll, in vielen Serpentinen, hinunter zur Plattkofelhütte.

Die private Plattkofelhütte ist ein modern eingerichtetes, alpines Schutzhaus auf 2300 m ü. NN gelegen. Hier stehen den Alpinisten u.a. ein Aufenthaltsraum mit Bibliothek, einen Schuhraum mit Waschmöglichkeit für Bergschuhe, Schuhtrockner, Waschmaschine und Trockner sowie ein verlockendes Bergrestaurant zu Verfügung.

Tag 5 - Über die Seiser Alm zurück nach Seis

Der letzte Tag bescherte uns zunächst dichten Hochnebel. Ohne großen Höheverlust führt der Wanderweg 495 von der Plattkofelhütte zur Tierser Alpl an den Fuß der Roßzähne. Den hier startenden Maximilian-Klettersteig ließen wir aus zeitlichen Gründen unerkundet. Wenige Minuten bergauf war die Rosszahnscharte auf 2499 m ü. NN erreicht. Von der Rosszahnscharte verläuft ein steiler, abschüssiger Hang den Weg 2 hinunter zur Seiser Alm, der später in einen flacheren Wiesenweg mündet. Aufgrund der vielen Tagesausflüglern sind die Wanderwege nahe der Seiser Alm deutlich höher frequentiert. Vom Kompatsch auf 1844 m ü. NN stiegen wir in die Umlaufbahn Seiser Alm - Seis. Wenige Minuten später brachte uns die Bahn zurück nach Seis.

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