MYSTISCHES TIKAL -  SONNENAUFGANG IN GUATEMALAS DSCHUNGEL

Nichts für Morgenmuffel

Besucher der Stadt Flores im nördlichen Guatemala müssen sich für gewöhnlich auf kurze Nächte einstellen. Gilt die auf der Insel des Petén-Itzá-See gelegene Stadt, doch als idealer Ausgangspunkt für Touren zu den Maya-Ruinen von Tikal. Die meisten Touren starten um 5 Uhr. Wer jedoch den Sonnenaufgang, auf einer, den Dschungel überragenden Maya Pyramide erleben will, der startet bereits 2 Stunden früher.

  

So war es dann Viertel nach zwei, als uns der Wecker bereits nach kurzer Zeit, den Weg aus dem Bett wies. Einige Minuten später saßen wir bereits in einem kleinen Holzboot, welches uns vom Chaltunha Hostel im benachbarten San Miguel, den kurzen Seeweg nach Flores brachte. Mit etwas Verspätung sammelte uns ein Fahrer, der sich salopp als "Carlos" vorstellte, mit seinem weißen Shuttle-Bus ein. 

Der nächtliche Ritt durch die grüne Hölle

Die Fahrt sollte zu den 60 km entfernten Maya-Ruinen nach Tikal führen. Zu dem fest eingeplanten Nickerchen auf Fahrt kam es jedoch nicht. War unser Fahrer "Carlos" doch Lewis Hamiltons Bruder im Geiste. Zu meinem Leidweisen saß ich rechts des Fahrers in der ersten Reihe, des 4 Sitzreihen fassenden Vans. Der Weg führte wie ein kerzengrades, langes Handtuch durch die grüne Hölle des Dschungels. Am Straßenrand waren in regelmäßigen Abständen, überdimensional große, leuchtgelbe Warnschilder platziert. Das erste Schild zeigte eine Schlange, später war ein Truthahn zu sehen. Es folgte das Abbild eines Jaguars und schließlich gar eines Flachlandtapirs.

 

Die aufsteigende Größe der Tiere auf den Warnschildern schien wie eine Aufforderung für den Fahrer, das Tempo zu erhöhen. Zunächst lieferten wir uns ein Rennen mit einem anderen Shuttle-Bus. Als dieser ausgebremst war, preschten wir in Höchstgeschwindigkeit und abschnittsweise ohne Licht durch den Dschungel. Vergebens versuchte ich auf Carlos einzuwirken, das Tempo etwas zu mäßigen. Plötzlich ein Hüpfen des Wagens, verbunden mit einem dumpfen Geräusch! Ein Aufschrei im Fahrzeug...! Ein Dschungelbewohner in der Größe eines Nasenbären befand sich für kurze Zeit unter den Reifen unseres Wagens. Die Fahrt ging jedoch unvermindert weiter…

 

Als wir am Ende an einem großen dunklen Platz abgesetzt wurden, war ich schweißdurchnässt und froh bislang nichts gefrühstückt zu haben. Es war 4:30 Uhr, folglich hatten die Shops und Souvenirbuden im Eingangsbereich noch geschlossen. Den wenigen Besuchern der Sunrise Tour, wurde ein Tee oder Kaffee sowie ein kleiner Snack gereicht. Anschließend lag ein 40 minütiger Fußweg vor uns, der uns mitten durch den Regenwald auf den gigantischen, 65 Meter hohen Tempel IV führen sollte.

Der Dschungel erwacht

Der Fußmarsch beansprucht die Wahrnehmung der Besucher, in den frühen Morgenstunden in besonderem Maß. Der Nebel hängt über den riesigen Baumkronen, es riecht nach feuchter Erde, exotische Vögel schreien, am Boden bahnen sich die mächtigen Blattschneideameisen durch das Dickicht und schließlich ist das mächtig laute röhren der Brüllaffen nicht zu überhören.   

Hoch über den Baumkronen des Dschungels, in der luftigen Höhe des Tempel IV angekommen, war es noch völlig dunkel. Langsam drangen die ersten Sonnenstrahlen durch den nebligen und wolkenverhangenen Himmel. Die Aussicht ist faszinierend. Zu Füßen liegt ein Teppich aus tausenden Urwaldriesen, gefüllt mit purer Wildnis und in der ferne sind die Slihouetten der antiken Tempel zu erkennen.


"Es sind Momente wie diese, sich auf immer und ewig in den Gedächtnissen  der Tikal-Besucher verankern."



Nachdem wir wieder abgestiegen waren, bemerkten wir, dass es Zeit für die mitgebrachten Sandwiches war. Die Müdigkeit stand uns ins Gesicht geschrieben. Von der befürchteten Hitze und Schwüle war nichts zu spüren. Es wurde ein kühler Tag im Guatemalas Dschungel.

Die gigantischen Pyramiden der Maya

Über die weit verbreiteten Gehwege fanden wir zum Großen Platz. Dieser gilt als Herzstück Tikals. Die Erben der Maya versammelten sich um eine Feuer und hielten eine spirituelle Andacht. Der als Tempel des großen Jaguars bekannte Tempel  I und der begehbare Tempel II, strecken sich hier in den Himmel. Auf der Nordseite erhebt sich die Nord Akropolis, während sich der große Palast der zentralen Akropolis auf der Südseite des Platzes befindet.   

Die Zeit in Tikals Dschungel vergeht rasend schnell, gibt es doch so vieles zu entdecken. Einige Tempel können sogar direkt bestiegen werden, andere Tempel sind noch völlig vom Grün des Dschungel eingenommen. Wer nicht in einer geführten Gruppe durch den Regenwald stapfen möchte, sollte zumindest einen Reiseführer mit Hintergrundinformationen zur Hand haben.

 

Darin lässt sich entnehmen, dass die Stadt in Ihrer Blüte über 50.000 Einwohner fasste und im 10. Jahrhundert nach Christus aufgegeben wurde. Heute gehört der Nationalpark Tikal zum Weltkultur und Weltnaturerbe der UNESCO und ist eine der am meisten besuchten Sehenswürdig des Landes.

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